Es ist ein Ort mit einer dunklen Geschichte – und doch, oder gerade deshalb so bewahrenswert.
Der dreistöckige Backsteinbau am Moritzplatz mit den vergitterten Fensterfronten prägt das Bild der Neustadt seit vielen Generationen.
Im Jahre 1876 als Amtsgericht und Stadtgefängnis errichtet, ist die heutige Gedenkstätte Moritzplatz Magdeburg ein geschichtsträchtiger Gebäudekomplex und steht auch für die düsteren Kapitel der deutschen Geschichte.
In der Zeit des Nationalsozialismus umfasste das damalige Strafgefängnis mehr als 250 Haftplätze für zu Gefängnis verurteilte Männer. Zu den Insassen zählten nicht nur Kriminelle, sondern auch zahlreiche im Zuge politischer und rassistisch-religiöser Verfolgung Verurteilte. Nach 1945 als Untersuchungsgefängnis von Justiz und Volkspolizei genutzt, unterstand das Haus ab 1958 dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit. Bis 1990 wurden hier mehr als 4000 Menschen, auch bereits Jugendliche, Opfer politischer Verfolgung.
Unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert, in endlosen Verhören zum Geständnis eines Staatsverbrechens gezwungen, folgten im Anschluss die Verurteilung und jahrelange Haft im Strafvollzug.
Der zirka 600 qm umfassende weitläufige Gebäudekomplex zählt zu den wenigen Gedenkstätten, die baulich im Originalzustand erhalten blieben. Neben dem Vernehmerzimmer, dem Besucherkeller und dem Freiganghof macht besonders der spartanisch, noch vollständig im Original ausgestattete Zellentrakt, bestehend aus 25 Einzel- und Mehrbett-Zellen, das Leid der Insassen förmlich greifbar.
Die Gedenkstätte ist ein Ort gegen das Vergessen, ein Fenster in die Vergangenheit – offen als Informationsquelle für Jedermann.
Seit Ende 1990 fungiert das denkmalgeschützte Haus als Gedenkstätte. Die Erinnerung an vergangenes Unrecht wachzuhalten und Demokratie und Rechtsstaatlichkeit als schützenswerte Güter zu achten, dies sei das Anliegen der Gedenkstätte und auch des Bürgerkomitees Magdeburg e.V. als Trägerverein des ebenfalls im Gebäude ansässigen Dokumentationszentrums am Moritzplatz.
Dr. Daniel Bohse, Jahrgang 1974, leitet seit 2011 die Gedenkstätte; ein Team aus vier festangestellten Mitarbeitern und mehreren Honorarkräften. Der studierte Lehrer und promovierte Historiker, wohnhaft im Harz, kam 2007 aus Halle nach Magdeburg und hat hier seine berufliche Erfüllung gefunden. „Es ist eine interessante, abwechslungsreiche Tätigkeit und der pädagogische Kontext kommt mir sehr entgegen.“
Die Bildungsarbeit ist ein wichtiger Baustein zur Aufklärung und auch wichtig gegen das Vergessen. Sie umfasst Projekttage, Seminare und Führungen für Schüler- und Erwachsenengruppen. In der Dauerausstellung zur Geschichte der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt erhalten mit Bild und Ton, historischen Dokumenten und überlieferten Zeitzeugenberichten auch diejenigen eine Stimme, die längst verstummt sind. Dabei kommt die Vergangenheit ganz nah – in all ihren erschreckenden Facetten. Als wichtiger Teil der Bildungsarbeit stehen aktuell auch elf Zeitzeugen – ehemals junge Häftlinge – für authentische Zeitzeugengespräche zur Verfügung.
Jährlich nutzen etwa 6000 Schülerinnen und Schüler die Bildungsangebote. Insgesamt hat die Gedenkstätte pro Jahr etwa 10.000 Besucherinnen und Besucher. Dabei kommt die Mehrheit aus Sachsen-Anhalt, etwa 15 % aus Niedersachsen und die anderen aus dem restlichen Bundesgebiet sowie aus dem Ausland. „Wir hatten aber auch schon Besucher aus den USA“, so Dr. Bohse. Außerdem bestehen Kooperationen mit anderen Gedenkstätten.
In jedem Jahr gibt es vier bis fünf Sonderausstellungen zu wechselnden Themen und einer Dauer von bis zu acht Wochen.
Neben der historischen Dauerausstellung ist aktuell die Ausstellung „Justiz im Nationalsozialismus. Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes – Sachsen-Anhalt“ zu besichtigen.
Derzeit bietet die Gedenkstätte im Rahmen ihres Ferienprogramms auch zweimal wöchentlich öffentliche Führungen an.
Weitere Informationen gibt es unter: www.gedenkstaette-magdeburg.sachsen-anhalt.de
Autorin: Annett Szameitat















